FAQ - 

oder eine Erleichterung zur 

Entscheidungsfindung


Der Schritt eine systemische Beratung oder Therapie in Anspruch zu nehmen ist kein leichter. Zum einen, weil er mit Kosten verbunden ist und zum anderen, weil Du Dir damit das erste Mal eingestehst: "Hej, hier läuft augenscheinlich etwas schief, dass ich nun offiziell Hilfe brauche!". 
Diese Auflistung von Fragen mit den verbundenen Antworten können Dir eine Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung sein. 

Was ist systemische Therapie?

Was sind die Vorteile der systemischen Therapie zu anderen Therapieformen?
Der systemische Ansatz ist als Kurzzeittherapie angelegt. Es ist ein lösungsorientiertes Arbeiten, dass im Hier und Jetzt bleibt. Systemiker:innen lernen in ihrer Ausbildung, den Mensch in seinem Wesen wert zuschätzen, eine neutrale oder allparteiliche Haltung anzunehmen und durch verschiedene Techniken einen Perspektivwechsel bei den Klient:innen zu ermöglichen. Systemiker:innen gehen davon aus, dass das Individum immer im Kontext seiner Systeme, in dem es sich bewegt, agiert. Die ursprünglichste Form des Systems ist natürlich die Herkunfsfamilie. Hiermit arbeiten systemische Fachkräfte. Der Fokus liegt dabei auf erlernten Denk- und Kommunikationsmustern. Die Vorteile liegen auf der Hand, da sich Erfolge nicht erst nach Jahren einstellen oder eine langwierige Diagnostik oder gar einer Bewilligung benötigen. Ein weiterer Vorteil ist auch, dass Du immer im Kontext Deiner Systeme (Herkunftsfamilie, Team) betrachtet wirst. Ich sehe Dich als Expert:in für Dein Leben und begegne Dir mit Respekt, Achtsamkeit, nicht-wertend und vor allem mit großer Neugier. Dabei gehe ich davon aus, dass die Lösung in Dir liegt, Du sie nur noch nicht sehen kannst. Es gibt viele kontextuale Schnittmengen zum Konstruktivismus, der Kybernetik, dem Neurolinguistischen Programmieren (NLP) oder der Positiven Psychologie. 
 
Seit wann gibt es diese Therapieform?
In den 1950er Jahren begannen erste Gruppen-/ Psychotherapeut:innen in Psychiatrien mit den Familien der Patient:innen zu arbeiten. Als Vorläufer können verschiedene Größen aus der Soziologie und Psychologie genannt werden. So zum Beispiel Jacob Moreno oder Alfred Adler. Auch hier wurde lange noch nach dem EINEN Ursprung von psychischen Erkrankungen gesucht. Als "Mutter der Familientherapie" wird häufig die amerikanische Psychologin Virginia Satir bezeichnet. In verschiedenen Instituten weltweit wurden in den folgenden Jahrzehnten mit Forschungsarbeiten an der Entwicklung verschiedener Konzepte gearbeitet. Die eine systemische Therapie gibt es nicht. Seit 2008 ist sie in Deutschland als Psychotherapieform anerkannt. 2019 wurde die systemische Therapie, neben den anderen großen Therapieschulen Verhaltenstherapie und Tiefenpsychologie/ Psychoanalyse von der Bundespsychotherapeuten Kammer anerkannt und kann somit über die Krankenkassen abgerechnet werden. Bekannte Vertreterinnen und Vertreter der systemischen Therapie sind Gregory Bateson, Salvador Minuchin, Steve de Chazer, Paul Watzlawick, Virginir Satir, Helm Stierlin, Friedemann Schulz von Thun, Ernst von Glasersfeld, Horst-Eberhard Richter und Mara Selvini Palazolli. Dieser Tage sind Arnold Retzer, Arist von Schlippe, Rolf Arnold und Rüdiger Retzlaff absolute Vordenker. 

Warum soll ich hier etwas zahlen, wenn ich eine Therapie von der Krankenkasse bezahlt bekomme?
Stell Dir vor, Du bist im Urlaub. In einem klassischen All-Inclusiv-Hotel. Alle zahlen einen Preis, jeder nimmt sich soviel er kann. Denk doch mal daran, wie sich Menschen am Essensbuffet benehmen. Beobachtest Du da die gleiche Wertschätzung dem Essen gegenüber, als würden sich diese Menschen in einem ausgesuchten Restaurant bewusst für ein besonderes á la Carte Menü entscheiden?
Ich gehe davon aus, dass Du eine Beratung - die Du aus eigener Tasche zahlst - ganz anders wertschätzen kannst. 
Ein weiterer Vorteil ist natürlich auch, dass diese Form der Beratung in keiner Krankenakte auftaucht und gerade bei Mitgliedern von privaten Krankenkassen oder Beamt:innen oder Anwärter:innen von Berufsunfähigkeitsversicherungen nicht zum Nachteil ausgelegt werden kann. 
Und Du kannst davon ausgehen, dass ich mit Dir immer den Weg der Lösung gehe. Und wenn dieser ein gemeinsames Gespräch im Kindergarten, in einer Klinik oder einen Hausbesuch beinhaltet, dann machen wir das. Oft ist in kassenärztlich angebundenen Praxen für diese unkonventionellen Maßnahmen kein Raum.
 
Wie gestaltet sich der Ablauf?
Je nach Kontext, werde ich in einem kurzen Telefonat oder per Email eruieren, worum es bei Dir oder Deiner Familie geht. Diese Kontakte sind selbstverständlich kostenlos. Handelt es sich um eine Einzel- oder eine Paarberatung vereinbaren wir einen ersten Termin und starten los. Handelt es sich um eine familiäre Beratung überlegen wir gemeinsam, mit wem wir starten.

Was muss ich zur Therapiestunde mitbringen?
In der Regel musst Du nur Dich und Deine Bereitschaft etwas zu verändern mitbringen. Es kann sein, dass Du ab und an kleine "Hausaufgaben" mitbekommst. Selbstverständlich liegt es in Deiner Hand, ob Du diese zu Hause bearbeitest oder nicht.
 
Wie bereite ich mich für die erste Sitzung vor?
Gar nicht. Was von Vorteil sein könnte, dass Du Dir vor oder noch besser, nach, unserem Treffen ein wenig Zeit für Dich nimmst, um das Bearbeitete wirken zu lassen.

Müssen bei einer Familientherapie immer alle Familienmitglieder anwesend sein?
Nein. Idealerweise sind alle Mitglieder des Systems anwesend. Es kann aber auch gearbeitet und eine Veränderung erzeugt werden, wenn das nicht der Fall ist.

Was mache ich, wenn ich eine Einheit aussetzen muss?
Du legst fest, was Du wann brauchst. Stellst Du fest, dass Du eine Einheit aussetzen musst, dann sag bitte 24 Stunden vorher Bescheid. Dies kannst Du telefonisch oder Email tun.

Ich hatte die ersten Einheiten und es setzt noch kein AHA-Effekt ein, was nun?
Dann sollten wir gemeinsam noch einmal den Auftrag überprüfen und schauen, ob es etwas anderes braucht. Leider gibt es auf komplexe Fragestellungen keine einfachen Antworten. Und ich habe einen schlauen Menschen einmal sagen gehört: "Erklärungen sind wie Schnuller. Helfen kurzzeitig, beseitigen jedoch nicht die Ursache!"

Irgendwie habe ich nach einer Sitzung schon das Gefühl, dass sich vieles geklärt hat, was nun?
Dann darf das so sein! Manchmal reicht schon ein sanftes Hinwirken in eine andere Richtung oder den Blick aus einer anderen Perspektive oder der vermeintliche Rat einer vermeintlichen Expertin um wieder zur eigenen Kraft zurück zu finden. 

Kinder- und Jugendlichentherapie

Ab wann ist eine Beratung oder Therapie für Kinder als angezeigt zu betrachten?
Wann eine Beratung angezeigt ist, entscheidest Du als Expert:in für Dein Kind. Ganz grob kann man sagen, besitzt ein auffälliges Verhalten einen Krankheitswert, wenn es den Alltag einschränkt. Manchmal ist es auch so, dass Dich andere Bezugspersonen Deines bzw. Eures Kindes auf ein Verhalten aufmerksam machen. Wenn Du unsicher bist, können wir gemeinsam überlegen, was Dein Kind braucht. Dank meiner langjährigen theoretischen und praktischen Erfahrung in verschiedenen Kontexten, kann ich ganz gut abschätzen, welche Unterstützung ein Kind benötigt. Systemische Therapeut:innen arbeiten mit und nicht an den Symptomen. Für uns geben auffällige Verhaltensweisen Hinweise darauf, dass im familiären Umfeld Beziehungen, Selbstwert und Kommunikation über einen Zeitraum einen untergeordneten Stellenwert erhalten haben. Sprich: Die gezeigten Symptome eines Familienmitgliedes stellen für mich ein Zeichen dar, dass etwas im System nicht stimmt. Das muss nicht zwangsläufig diejenige Person sein, welche die Symptome zeigt. Sollte ich während unserer Zusammenarbeit an fachlichen Grenzen stoßen, werde ich dies offen legen. Wir können dann gemeinsam schauen, welche Form der Unterstützung (Kinderpsychiatrische Diagnostik und Behandlung, Formen der Jugendhilfe oder andere (psycho)therapeutische Maßnahmen) es für Dich oder Dein Kind parallel oder stattdessen braucht. 

Ab welchem Alter kann man therapeutisch arbeiten?
Grundsätzlich könnte eine Beratung schon vor der Geburt stattfinden und Erfolg versprechen. Je jünger die Kinder sind, desto eher werde ich die Elternteile einbinden.

Was passiert in einer Kindertherapie?
Grundsätzlich machen Elterngespräche einen großen Teil der Kontakte aus. Je jünger ein Kind, desto kürzer sind die Einheiten in denen direkt mit dem Kind gearbeitet wird. Je nach Alter werden nonverbale und verbale Methoden eingesetzt, um zu einer Lösung zu kommen. Mit jüngeren Kindern geschieht viel Verarbeitung im Spiel bzw. in und durch Bewegung. Im Umgang mit Jugendlichen ist uns Systemiker:innen durchaus bewusst, dass sie ggf. eine andere Form des Ausdrucks bevorzugen.  


Was mache ich, wenn mein Kind absolut nicht mitkommen möchte?
Dann komm erst einmal alleine. Oft ist es schon hilfreich, dass als negativ empfundene kindliche Verhalten durch die Elternteile offen zu legen. Wenn Kinder mitbekommen, dass die Eltern einen ehrlichen und authentischen Veränderungswillen zeigen, reguliert dies schon sehr viel im familiären System. Wenn Du es schaffst, dass Dein Kind zu mir kommt - auch wenn es im Auto sitzen bleibt, oder sich weigert einzutreten, werde ich vielleicht schon etwas erreichen.
 
Was erzähle ich meinem Kind, wo wir jetzt hingehen? Wie erkläre ich meinem Kind, warum es zur Therapie muss?
Erkläre Deinem Kind, dass Mama und Papa Unterstützung benötigen und sich wünschen, das Kind als Expert:in dabei haben zu wollen. Wichtig ist dabei, dass Du Deinem Kind das Gefühl gibst, dass es keine Schuld dafür trägt.

Bekomme ich von den Einzelstunden, die mein Kind alleine wahrnimmt, Auskunft.
Grundsätzlich gilt, was im Praxisraum geschieht, bleibt dort. Je älter ein Kind ist, desto eher wahre ich diesen Schutzraum. Ich werde mit dem Kind besprechen, ob und was es Mama und Papa davon erzählen möchte, was es mit mir unternommen hat. Dies gilt besonders für Jugendliche ab vierzehn Jahren. Hier habe ich eine Schweigepflicht auch gegenüber den Eltern. Ich bin verpflichtet, fremd- und oder eigengefährdende Verhaltensweisen offen zu legen. Da ich seit Jahren im staatlichen Kinderschutz tätig bin, kenne ich auch hier die gesetzlichen Grenzen, ab wann gefährdetes Verhalten zu melden ist. Sollte es zu solchen Situationen kommen, werde ich dies vorher ankündigen.

Ich lebe vom anderen Elternteil getrennt. Muss diese:r in die Therapie einwilligen oder wird er oder sie in die Therapie eingebunden?
Grundsätzlich müssen beide Elternteile mit geteilter elterlicher Sorge in solche Maßnahmen einwilligen. Idealerweise werden auch beide Elternteile eingebunden. Selbstverständlich entscheidet der individuelle Fall, inwiefern und ob dies geschieht. Bitte sprecht mich hierauf an.

Muss oder sollte ich in der Bildungseinrichtung, die mein Kind besucht, Bescheid geben?
Selbstverständlich bist Du nicht verpflichtet Maßnahmen wie diese, offen zu legen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es wertvoll ist, wenn sich Fachkräfte untereinander austauschen können. Dies bedarf jedoch einer Entbindung der Schweigepflicht. Beispielsweise um einen Unterstützungsbedarf für das Kind auszuloten. Ihr könnt euch jedoch sicher sein, dass Inhalte der Therapie nicht mit anderen Personen besprochen werden. 

Paartherapie

Was ist, wenn ich das Gefühl habe, dass eine Paartherapie sinnvoll ist, aber ich meine Partner:in absolut nicht zu einem Besuch überzeugen kann?
Dann macht es vielleicht Sinn, erst einmal alleine zu kommen. Vielleicht könnte auch ein kurzes Telefonat Deine Partner:in umstimmen. Wenn sich wirklich nichts bewegen lässt, wird es Sinn machen, dass Du erst einmal alleine in die Beratung kommst. Wer weiß, was sich ergibt...

Ergibt eine Paartherapie auch dann Sinn, auch wenn ich mit dem Gedanken spiele mich von meiner Partner:in zu trennen?
Ja, gerade in solchen Situationen ergibt eine gemeinsame Beratung Sinn. Um sich von einander zu verabschieden oder verbliebene Konflikte zu lösen und, weil man durch gemeinsame Kinder (oder Haustiere) ein leben lang verbunden bleibt. Gerade, wenn Kinder im Spiel sind, kann eine systemische Begleitung viele Gerichtskosten sparen. Ich habe diese Form der Beratung jahrelang in einem Jugendamt gemacht und habe keine Angst vor hochkonflikthaften Eltern. Auch hier kenne ich meine Grenzen und weiß, ab welchem Zeitpunkt juristischer Beistand oder die direkte Beratung durch ein Jugendamt erforderlich ist. 

Wenn zwischen den Therapieeinheiten, in denen ich mit meiner Partner:in gemeinsam komme, ich alleine Stunden wahrnehme, wird dies in der nächsten Stunde mit meiner Partner:in besprochen?
Was in der Therapie passiert, bleibt in der Therapie. Oft ergibt es Sinn, dass Besprochene doch in einer Art der Partner:in zu kommunizieren. Wir werden dies am Ende der Einzeleinheit gemeinsam überlegen. Aber grundsätzlich gilt die Wahrung der Schweigepflicht.